Letztes Feedback

Meta





 

Über

Josef Kammerer, bin Pfarrer in Ruhe. Habe bereits 92 Jahre auf meinem Buckel. Ich wohne im Altenheim "Bruderliebe" Herrenstr.. 12, 4600 Wels. Ich möchte Interessierte an meinen Sonntagspredigten teil nehmen lassen.

 

Alter: 92
 


Werbung




Blog

Christus ist der Fels

Christus hat seine Kirche nicht auf  Ideologien gebaut, sondern auf lebendige Menschen. Wir müssen  aber hinzufügen:  Menschen bleiben Menschen und sind von Schwächen und Fehlern nicht ausgenommen. Das zeigte sich schon klar in der jungen Kirche: Der unerschrockene Draufgänger Paulus berichtet offen in seinem Galaterbrief:
Als Petrus aber nach Antiochia gekommen war, bin ich ihm offen entgegengetreten, weil er sich ins Unrecht gesetzt hatte.  Bevor nämlich Leute aus dem Kreis um Jakobus eintrafen, pflegte er zusammen mit den Heiden zu essen. Nach ihrer Ankunft aber zog er sich von den Heiden zurück und trennte sich von ihnen, weil er die Beschnittenen fürchtete.
Durch diese Feigheit, hat wieder einmal der Felsenmann Petrus seine menschliche Schwäche gezeigt.
Trotzdem gilt Jesu Wort:
Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen ...
Dazu müssen wir  aber auch das Wort aus dem Kolosserbrief  setzen:
" Christus bleibt der einzige Herr und das einzige Haupt seiner Kirche
. Unser Bekenntnis zu Petrus steht nicht gegen Christus; es ist vielmehr unser Bekenntnis zu dem Christus, der beruft, wen er berufen will, und der gerade „im schwachen Menschen seine Kraft zeigt."
Gerade in der menschlichen Schwachheit erweist sich Gottes Stärke.
Wenn wir die 2.000 Jahre Geschichte der Kirche Jesu überblicken, so müssen wir doch zugeben, diese Kirche hätte oftmals zugrunde gehen müssen, wenn nicht hinter dem Felsen Petri der alles tragende Fels Christus gestanden wäre. Die Kirchengeschichte sagt uns sehr deutlich:
Die Papstgeschichte war  nicht immer auch ein Ruhmesblatt der Kirche Christi!
Trotzdem gilt  Jesu Wort:
„Du aber bist Petrus, der Felsenmann, auf den ich meine Kirche baue":
Mit leiser Wehmut denke ich da zurück an so herrliche Erlebnisse in den Felsen unserer heimatlichen Bergwelt:
Wir brauchen das Erlebnis „Fels" in unserem Leben. Wir brauchen den Felsen gültiger Wahrheit, der nicht zerbröselt und zerbricht, und wir brauchen den festen Griff der Überzeugung, mit dem wir uns an dieser Wahrheit festhalten.
Wir brauchen eben festen Stand im gewachsenen Felsen und gutsitzende Haken, die im harten Stein unter dem Hammer singen, damit der andere, der im gefährlichen Gelände nachkommt, beruhigt sein kann: Der Haken hält!

Wir brauchen alle äußeren und inneren Halt.
Unsere heutige Gesellschaft ist ja nicht gerade eine Felsenlandschaft der festen Überzeugungen und gültigen Wahrheiten, sondern eher ein Gelände mit wechselnden Wanderdünen, die sich heute da, morgen dort erheben, wo gerade der Wind des Zeitgeistes den Sand, der Mehrheit und die Meinung der vielen zusammenweht.
Es wird immer eine wesentliche Aufgabe der Kirche Jesu sein: Jesu Liebe in diese oft so unterkühlte Welt hinein zu tragen. Was heute bei vielen Fernstehenden an der Kirche imponiert, das ist vor allem die ungeheuchelte Offenheit und  erfrischende Menschlichkeit  des gegenwärtigen Papstes!  
Wir alle brauchen gerade heute diesen geistigen Felsen, der nicht zerbröselt und zerbricht

22.8.17 15:09, kommentieren

Werbung


Die Macht des Gebetes

So wie der Ruf der kanaanäischen Frau, das Herz Gottes erreicht hat und sein rettendes Erbarmen Hilfe gebracht hat, so brauchen auch wir sein Erbarmen.
Wir müssen erleben, wie einer westlichen Großmacht droht,  aus den Fugen zu geraten.
Mit der menschenvernichtenden Gewalt der Atomwaffen darf man nicht spielen!
Das Gebet ist ein Aufschrei um Gottes Erbarmen ist angesichts der vielen Formen des Übels, welche drohend über der Menschheit lasten ... Je mehr sich der Mensch von Gott entfernt desto mehr müssen wir den Gott des Erbarmens anrufen. Die Kraft seines  Erbarmens ist stärker als  Sünde und  Tod
Wir brauchen wieder mehr Vertrauen auf die Macht des Gebetes!

Ich darf hier anführen, wie der beliebte Innsbrucker Bischof Reinhold  Stecher  aus seinen Kriegserlebnissen schildert:
Meine Mutter besuchte fast täglich den Gottesdienst. Es war eine schwere Zeit für sie. Im Land herrschte Rechtlosigkeit und Terror, der mit Hausdurchsuchungen bis in unsere Wohnung reichte. Ihre  Söhne standen irgendwo an der Front in Russland. So kam die Karwoche des Jahres 1942 heran.. Meine Mutter nahm an der Liturgie des Leidens Jesu teil. Um sieben Uhr war der Gottesdienst zu Ende. Sie stand auf und ging nach Hause.

.Beim Schlag der Turmuhr überfiel meine Mutter mitten auf der Straße plötzlich der Gedanke, ich sei in großer Gefahr. Sie hatte keine Ahnung, wo ich mich in den Weiten Russlands herumtrieb. Später hat sie mir erzählt, die plötzliche Beklommenheit und das Angstgefühl seien so groß gewesen, dass sie auf der Stelle umgekehrt und in die Kirche zurückgegangen war. Vor dem Bild der „Mutter Gottes vom Guten Rat" blieb sie knien.
Um sieben Uhr griffen die Russen an. Die vordersten Spitzen schoben sich bis auf 30 Meter heran. Es muss Hunderten Soldaten das Leben gekostet haben. Um halb acht Uhr riss mir eine russische Kugel die Funktaste aus der Hand. Der Soldat neben mir erhielt einen Kopfschuss. Aber ich hatte unsägliches Glück. Ein Schuss mitten durch den Unterarm, der weder die Knochen noch die Hauptschlagader verletzte, war unter diesen Umständen ein wahrer Segen. Viel später, als ich auf Genesungsurlaub nach Hause kam, habe ich die Erzählung meiner Mutter von ihrem Karfreitagserlebnis und dem, was in den Wäldern des Wolchows zur gleichen Zeit geschah, verglichen. Es stimmte alles genau. Von sieben bis halb acht Uhr, während des Gebets, war die größte Gefahr mit der rettenden Verwundung.
Diese Netze des Gebets hat Gott in seine Vorsehung eingebaut, wie damals im Zusammenspiel von Turmuhr und Trommelfeuer und mütterlichem Gebet und dem Weg einer Kugel aus einem Scharfschützengewehr.

Auch heute greifen betende Hände in den Lauf der Geschichte ein, weil sie, wie der Ruf der kanaanäischen Frau, das Herz Gottes erreichen und sein rettendes Erbarmen auf die Welt herab rufen, auf eine Welt, die endlich, wie diese Frau, erkennen müsste, dass sie das Erbarmen Gottes braucht.

14.8.17 20:55, kommentieren